
Berlin nicht zu mögen? Oh, das kann man gut! Besonders für Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die verspätete, stockende S-Bahn in der Nacht, in der es kalt ist und man friert. Oder die aufgegrabenen Straßen und Gehwege sowie der Gestank in den Unterführungen. Oder der von den in der U-Bahn Musizierenden angebotene Lärm, Lärm, Lärm, wenn man nach der Arbeit nur noch in aller Ruhe nach Hause fahren will.
Dafür kann man Berlin sogar hassen! Wofür den sonst? Für die „große Klappe“ seiner Bewohner, ihre Kompliziertheit, oft die Charmemangel? Es geht aber auch anders: die Bettler z.B. bleiben weiterhin nett und freundlich, ohne dass sie eine Spende erhalten haben. Die Stadt hat eine Seele und kann barmherzig sein. Seine Mechanismen muss man nun davor erkannt und kapiert haben. Die Beschwerlichkeiten gehören in das Bild jeder Stadt, aber nicht jede Stadt versteht draus eine enorm starke Anziehungskraft zu entwickeln! ;-)
So fühle auch ich mich durch Berlin angezogen. Und der Stipendiumsaufenthalt, die mir die Robert Bosch Stiftung durch das Programm "Medien-Mittler zwischen den Völkern" vom Anfang März bis Ende Mai 2007 ermöglicht hat, war nicht mein erster Besuch in der Bundeshauptstadt. Ich kann mich noch gut an die ersten bewussten Reisen erinnern, während denen ich eine rote Infobox inmitten vom Potsdamer Platz gesehen habe, rundum Ausrisse am Boden; zu einem anderen Zeitpunkt, ein paar Kilometer weiter, ein verpackter Reichstag, usw. usw. Jedoch nie zuvor fand ich mich in Berlin wieder. Es war zu groß und zu hektisch, zu laut und zu frech. Ich muss aber zugeben: Zum Teil war ich zu schnell mit urteilen und habe nicht zugelassen, die Besonderheiten Berlins auf mich zu wirken. Heute weiß ich, das war falsch.
Und dafür war der Stipendiumsaufenthalt sehr schön. Er ermöglichte nicht nur die Erweiterung meiner journalistischen Fähigkeiten; er gab vor allem die Möglichkeit, aus einer anderen Perspektive die Stadt kennen zu lernen, seine Leute, Kultur und seine Mentalität; es war genug Zeit vorhanden, die verschiedenen Stimmen, Geräusche und Geschehnisse aufzunehmen und zu genießen. Und ich freue mich bald auf mehr! Den die Pläne stehen schon fest - ich komme bald wieder! Der Grund?
In Berlin darf man (fast) alles! Und mir tun alle Menschen leid, die das nicht begriffen haben… In Berlin kann man sich sogar verlieben. Und das habe ich getan.