Dienstag, 31. Juli 2007
"Radio is just about the best storyteller there is!"
Neue Wohnung, neue Bekannte in Berlin. Wenn ich über mein Abenteuer Radio erzähle, wollen sie meistens über die Geschichte hören: Wie bin ich zum Radio gekommen. Hier also die Story für alle...
Ich mag sieben, sechs Jahre alt gewesen sein. Oder noch jünger. Auf jeden Fall als kleiner Knabe entdeckte ich Hörspiele, diese wundervolle Welt der Geräusche. Ich lernte verschiedene Klirren zu unterscheiden. Das eine war, sagen wir mal pauschal, der fallende Porzellanlöffel, das andere eine Kristallschüssel. Oder das Rauschen. Das Meer und der Wald klangen doch so unterschiedlich. Ich sah die Prinzessin, den Fischer, die zottigen Monstren. Ich sah die breite Gegend, einen grünblauen Fluss am Rande der Lichtung, in dem gespiegelte Wolken flossen. Und doch gab es nichts zu sehen. Alles imaginierte Bilder. Die Töne besaßen damals eine unerklärbare Macht. Oder war das die Besonderheit meines Gehirns und die Phantasie, die von denen nur stimuliert waren? Egal, was das war, doch hatte es unbeschränkte Möglichkeiten. „Mensch, das wäre schön, wenn auch du andere dadurch faszinieren könntest, dass du mit Klängen Bilder schafftest, die beeindrucken“ – dachte ich damals. Und – nachdem ich Schauspieler, Zahnarzt, Psychologe und Pilot werden wollte – träumte ich von einem Radioredakteur-Beruf. Ein Fünfteljahrhundert später wurde dieser Traum wahr. Etwa als ich Mitte zwanzig wurde.
Und so ist es geblieben. Ich meine nicht, dass ich Mitte zwanzig geblieben bin. Nein, das nicht; leider bin ich schon fünf Jahre älter und etwa so lange im Hörfunk. Mit einem audialen Kulturmagazin bin ich auf Sendung gegangen. Zu der Zeit, als uns der öffentlich-rechtliche Sender „Radio Olsztyn“ ein Zeitfenster für eine kultur-literarische Sendung angeboten hat, war ich Leiter der Übersetzungskolumne bei „Portret“. Die Sendung wurde „Ohr zum Abwischen des ‚Portrets’“ genannt. Und so waren wir nicht nur in den Augen unserer LeserInnen sondern auch in ihren Ohren. Schon eine Besonderheit.
2001 hatte der Verband der Deutschen Gesellschaften im ehemaligen Ostpreußen, bzw. sein Vorsitzende, einige deutschsprachigen Radioprogramme in Schlesien gelauscht und wollte, dass was Ähnliches in Allenstein entsteht. Ich wurde eingeladen die Redaktion zu gründen. Und nachdem sich einige Leute zusammen getan haben, entschieden sie, dass ich der Redaktionsleiter werde. So stand vor mir eine große Herausforderung, ich war mitten im Studium, aber es hat Spaß gemacht. Wir entwickelten das Konzept und fingen an, Themen zu sammeln. Parallel wurden wir geschult, für einige war es das allererste Mal vor dem Mikrophon. Aber es ging, und zwar ganz nach der Regel „Jeder Anfang ist schwer“. Eine Radiosendung mit fünf Leuten zu koordinieren, sich um die Themen zu kümmern und noch in einem fremden Land stotternfreies Deutsch über den Äther sprechen zu müssen, wo die Rückmeldungen der polnischen Mehrheit (wir waren doch die deutsche Minderheit) nicht vorauszusehen waren, war schwierig.
Während die Sendung sich entwickelte und immer professioneller wurde, besuchte ich mehrere Radioseminare, machte Hörfunkpraktika im Ausland und knüpfte Kontakte. Vor allem lernte ich aber viel, wie man gutes Radio macht. Leider nicht alle meiner Ideen fanden im Verband Akzeptanz. Schade. Das war aber dadurch zu erklären, dass keineR dort Ahnung vom Radiomachen hatte. Was nicht reformiert ist, bleibt unreformiert. Hauptsache, die Sendung hatte ein Wunschkonzert und die alte Schlager erklangen. Keine falsche Vorstellung, wenn man modernes Radio machen wollte, oder? ;-)
Dresden, Leipzig, München, Berlin – tolle Städte und tolle RadiomacherInnen. In den Städten hatte ich eine intensive und horizonterweiternde Zeit. Sei das SAEK, MDR, BR, m94,5 oder schließlich Deutschlandradio Kultur, ich sah immer neue Dinge, betrachtete sie aus einer wechselnden Perspektive, bildete und entwickelte mich. Gelegentlich machte ich Korrespondenzen für MDR und NDR, stellte Themen vor, partizipierte an großen Sitzungen. Und all das machte mir viel Spaß. Paar mal dachte ich an einen zusätzlichen Beruf. Aber welch ein anderer gäbe mir die Möglichkeit, sich täglich mit anderen Themen zu beschäftigen, neue Leute zu treffen, ihre Geschichten kennen zu lernen und das Erfahrene weiterzugeben? Gerade fällt mir nichts Passendes mehr ein...
Deswegen heute immer noch im Hörfunk. Zurück beim Deutschlandradio Kultur in Berlin.
Sonntag, 29. Juli 2007
Alter Dielenboden, Stümpfe und ganz nette Leute. Multinational, passend
Und doch geschafft, trotz des schlechten Wetters. Zuerst also die technischen Einzelheiten: Das Zimmer ist (noch) ruhig, mit altem Dielenboden, zum Hinterhof gelegen. Ein strohgelber Stumpf steht auf dem Fensterbrett, hinter der Scheibe, also schon draußen. Mein Vorgänger hatte nicht viel Liebe für Flora, wenig mehr für Ordnung. Staubig ist der Fensterrevier. Die Pflanze, auch wenn das eine Kaktee ist, ruft nach ein paar Tropfen Wasser.
In dem Fahrradkeller stehen zahlreiche Fahrräder. Meins jedoch nicht. Wird aber auch noch kommen. Ich habe schon vor, nach Empfehlung, die Flohmärkte am Boxhagener Platz oder im Mauerpark zu besuchen. Diesen Sonntag, wenn’s klappt. Erstmal aber die Bettdecke und ein Schlafkissen beschaffen! Andererseits habe ich schon gehört, dass es sich nicht lohnt, ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen. Die halten nicht lange. Ach, wo ist der unbekannte U-Bahn-Fahrer, der mir im Mai ein neu(geklaut)es Fahrrad verkaufen wollte. Mit Titanelementen und Scheibenbremsen. Topmodel für fünfzig Euro. Wie geschenkt. Hätte nach dem Handeln sicher sogar nur noch für vierzig bekommen. ;-) Aber wer kauft schon ein geklautes Velo? Das ist doch so uncool!
Nun aber zu den Leuten, damit auch der Titel endlich erklärt wird. Nadine stammt aus dem Rheinland. Robert dagegen aus Bayern. Es kann also gesagt werden, dass jedeR von uns eine andere Gegend vertritt. Drei verschiedene Länder, wenn man so will. Multinational... ;-)
Sie trägt eine Brille und ist elegant angezogen. Das lockende Haar steht ihr gut. Lang ist es dagegen nicht besonders. Er, mit einem sympathisch rollenden „r“, ein Hemd und eine Weste. Mit einem Bärtchen. Beide fröhlich und Fans vom Tischtennis. Passt.
Mittwoch, 25. Juli 2007
Prüfen der Kommentare
Also Iza, zu Deiner Frage: Ob die Prüfung der Kommentare wirklich nötig sei? – Ja! Denn im Internet gibt es zunehmend kleine Programme (Viren), die sich unerwünscht in Gästebücher, Blogs und Ähnliches eindrängen und ihre Spuren hinterlassen; oft mit Links zu Porno-Seiten. Das will ich nun wirklich nicht in meinem anständigen Blog. ;-)
Aber Iza: Weiterhin frohes Kommentieren!
Montag, 23. Juli 2007
Eigentlich ein schöner Abend... nur ob die richtigen Leute?
Als ich die Wohnung betrat, saßen alle in der Wohnküche, wartend, neugierig. Ich war pünktlich da. Diesmal klappte es mit dem Treffen.
Nadine war noch am Speisen, Robert und Michael versuchten mir etwas zum Essen anzubieten. Nektarinen? Kakaopulver? Müsli? Da ich aber einen großen Schnitzel in dem Sender-Kasino verschluckt habe und danach noch einige weiteren Leckereien, hatte ich keine Lust (und keinen Platz) auf mehr. Mit einem Glas Wasser war ich schließlich zufrieden.
Das Gespräch hatte auf den ersten Blick keinen prüfenden Charakter. Musste auch nicht. In einem normalen, stressfreien Dialog erfährt man mehr als in einer gezwungenen Diskussion. Außerdem erreicht man mehr mit einer Atmosphäre der Sicherheit. Der Geprüfte achtet dabei nicht so sehr auf sein Benehmen, fühlt sich frei, die Macht über seine Sinne wird eingeschläfert. Und gerade in diesem Moment passiert es: Er wird gefangen. Ob das auch bei mir der Fall war? Eigentlich egal.
Nun, wir sprachen über viele Dinge, was mich an meine Magisterprüfung erinnerte. Und, ähnlich wie damals, hatte es fast nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun. Nicht einmal wurde das eventuelle Zusammenwohnen von uns angesprochen. Literatur, Politik, Religion, Küche, Berufe und Sport waren Themen des Abends. Plötzlich stellte sich heraus, dass die Gruppe gerne Tischtennis spielt. Blöderweise erzählte ich, dass mein Vater früher an verschiedenen Tischtennis-Meisterschaften teilnahm. Danach gab es keinen Rückweg. Mir wurde angeboten, zusammen Tischtennis spielen zu gehen. Und wieder die gleiche Frage: Soll ich absagen? Nein, wollte ich freiwillig nicht. Der Abend war angenehm und ich brauchte doch ein bisschen Abwechslung, auch wenn ich mich beim Spiel blamieren sollte. Den ganzen Tag über saß ich in der Redaktion und wurde in die Geheimnisse der Interview-Auswertung eingeschult. Meine Zellen brauchten also mehr frische Luft. Die intellektuelle Anstrengung erschwächte den Körper und ich erhoffte mir durch die Bewegung einen neuen Energienachschub.
So war es dann auch. Keine Ahnung, wie lange wir spielten. Mehrere Runden. Die Mannschaft von dem Nachbartisch ging schon, es wurde dunkler. Und wir spielten weiter. Was ich bemerken musste, ich war nach dem Einüben gar nicht so schlecht, wie ich davor dachte. Sicher war ich auch nicht der beste, sie alle waren besser als ich, ich habe aber die Tischtennisbälle treffen können und manchmal die anderen besiegen. ;-)
Schließlich entschieden wir uns für ein Bier. Michael verriet, dass Robert sich nur mit so einem zusammen zu wohnen vorstellen könnte, mit dem er ein Bier getrunken hat. „Und das ist gerade passiert“, fügte Robert hinzu, nachdem wir unsere Gläser leer gemacht haben. Danach folgte eine Runde von Witzen. Ich konnte mich nicht an einen besonderen über die Brüder Kaczynski erinnern. Das beschäftigte mich später noch die halbe Nacht, aber ich kam darauf. Leider spielen in dem Witz Wortspiele eine wichtige Rolle. Und diese lassen sich nicht in Deutsche übersetzen, leider.
Mit Lächeln im Gesicht gingen wir auseinander. Morgen soll ich eine Zu- oder Absage bekommen. Ob wir zusammen passen? Das wird sich ergeben...
Dienstag, 17. Juli 2007
Schmelzen und suchen. Wohnungssucheskapade unter der Berliner Sonne
Das erste Zimmer ist wirklich schön. Das Bett und der kleine gläserne Tisch nehmen die Hälfte des Lebraumes weg. Dafür stimmt das Design. Der Schrank kommt auch noch dazu. Die Stühle und die Kerzen gleich hinterher. Langsam fehlt mir jedoch die Atemluft. „Hier werde ich nicht leben können“, denke ich. Die Sonne drängt durch das offene Fenster hinein und erstickt. Ich drehe mich um... Warum ist es so weit weg vom Zentrum. Zur Arbeit werde ich wohl mehrere Zehnt Minuten brauchen. Und wenn ich die Frühschicht habe? Was dann? Gar nicht ins Bett gehen oder gar auf die Schicht verzichten? Auf den kleinen Stühlen sitzen und warten bis die Zeit kommt? Spazieren gehen in der betonierten Umgebung? Auch eine Alternative. Ich werde ja darüber nachdenken. Schließlich würde das der Gesundheit gut tun, nachdem man schon von der Sonne und vier Wänden geräuchert worden war...
Die zweite Station ist gleich zu einer 1-Zimmer-Wohnung gewachsen. Unten im Parterre. Kalt und feucht. Ich kann das sogar mit meinen Knochen fühlen. Die würden in wenigen Wochen zum Grus; um von Nebennasen- bzw. Stirnhöhlenentzündung ganz zu schweigen... Schnell weg hier!
Den dritten Halt mache ich in Neukölln. Eine 6er-WG. Eigentlich ganz nett. Gemeinschaftskasse und Gemeinschaftsleben. Ich kenne einen, dem das über alles gefällt. Eigentlich wohnt er hier in der Nähe. Komisch, wie sich die Wege manchmal kreuzen mögen. Er kommt aus Amerika und ist von solchem Leben fasziniert. Einer für alle, alle für einen. Jedem das Seine. Ich könnte mir gut vorstellen können, unter Umständen hier zu wohnen. Eigentlich ganz gerne. Die MitbewohnerInnen scheinen sympathisch zu sein. Ein, zwei Klos. Keine/-r hätte warten müssen. Also günstig. Genau wie der Preis. Und noch ein interessanter Faktor. Sie machen WG-Konferenz, wenn etwas nicht stimmt oder die Luft dick ist. Zwischen mir und dem Vermieter herrscht gewisse Spannung. Eigentlich nichts, aber spürbar. Ob die Entscheidung für mich positiv wird? Bin skeptisch.
Reichen die drei Beispiele erstmal? Für die nächsten Tage habe ich noch viel mehr. Das ist so wie im Leben; nie genug davon...
Montag, 16. Juli 2007
Ja! – Meine Rückkehr nach Berlin
Sharan, ein Kollege von der Nähe der Brunnenstraße, wo ich im März-Mai wohnte, erklärte sich bereit, mir eine Übernachtung zu geben. Erst am folgenden Tag sollte ich für zwei Wochen in die Übergangsunterkunft kommen. Und das auch nur dank guter Freunden, die zu der Zeit in den Urlaub fuhren. Von hier aus, von der Viktoriastadt, begann meine Wohnungssuche (dazu aber noch später).
Also die Übernachtung bei Sharan. Der Arme musste über zwei Stunden (oder sogar mehr) in der Nacht auf mich warten. Vom Schlafengehen könnte gar keine Rede sein; wer würde mir dann die Tür öffnen?
Vom Osten in Berlin eingereist, fuhr mich und einige weiteren Zehner der Passagiere der Busfahrer durch die ganze Stadt nach Charlottenburg-Wilmersdorf. Meine Bitten, dass er mal am Alex oder Unter den Linden anhaltet, damit ich näher nach Hause habe, bewirkten nichts. Ich musste von der Messe Nord zurück nach Mitte. So was Absurdes passiert. Kein Wunder: Wenn jemand schematisch denkt, dem ist es schwierig, seine Denkweise zu verändern.
Gott sei Dank war Sharan nicht böse; mindestens gab er von sich nichts dieser Richtung kund. Nachdem wir uns noch einige Stunden unterhielten (bis es draußen hell wurde), konnte ich sogar in seinem Bett schlafen, während er auf der Couch schlief.
Bevor ich aber Sharans Wohnung erreichte, stieg ich bewusst Invaliden-/Ecke Brunnen- anstatt U-Bernauerstraße aus, zog meinen Koffer hinter mir und ging an der Tür der im Frühling gemieteten Wohnung vorbei.
Brunnenstraße 36 und ein bisschen Nostalgie: An der Haussprechanlage waren noch unsere Namen – von Cezary, Tomaš und mir. Gutes Zeichen: „In Berlin sind wir immer noch willkommen“ – dachte ich, lächelte und ging weiter. Die Uhr zeigte kurz nach drei.
Bevor ich aber einschlief, hatte ich eine Stunde des Zweifels: Bin ich tatsächlich in Berlin willkommen? War das richtige Entscheidung hierher zu kommen? Irgendetwas flüsterte mir aber zu: Du wirst schon sehen, ja!