Schon gestern machte ich mich auf dem Weg, eine weitere Wohnung zu besuchen. Eine WG in Schöneberg, zwischen S Südkreuz und S Schöneberg. Ich war schon am Alex als mich Michael angerufen hat und das Treffen auf heute verlegen wollte. Was sollte ich nun tun? Mit eventuellen Mitbewohnern streiten und einen falschen Eindruck hinterlassen? Das auf keinen Fall... So sagte ich zu und war heute wieder unterwegs.
Als ich die Wohnung betrat, saßen alle in der Wohnküche, wartend, neugierig. Ich war pünktlich da. Diesmal klappte es mit dem Treffen.
Nadine war noch am Speisen, Robert und Michael versuchten mir etwas zum Essen anzubieten. Nektarinen? Kakaopulver? Müsli? Da ich aber einen großen Schnitzel in dem Sender-Kasino verschluckt habe und danach noch einige weiteren Leckereien, hatte ich keine Lust (und keinen Platz) auf mehr. Mit einem Glas Wasser war ich schließlich zufrieden.
Das Gespräch hatte auf den ersten Blick keinen prüfenden Charakter. Musste auch nicht. In einem normalen, stressfreien Dialog erfährt man mehr als in einer gezwungenen Diskussion. Außerdem erreicht man mehr mit einer Atmosphäre der Sicherheit. Der Geprüfte achtet dabei nicht so sehr auf sein Benehmen, fühlt sich frei, die Macht über seine Sinne wird eingeschläfert. Und gerade in diesem Moment passiert es: Er wird gefangen. Ob das auch bei mir der Fall war? Eigentlich egal.
Nun, wir sprachen über viele Dinge, was mich an meine Magisterprüfung erinnerte. Und, ähnlich wie damals, hatte es fast nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun. Nicht einmal wurde das eventuelle Zusammenwohnen von uns angesprochen. Literatur, Politik, Religion, Küche, Berufe und Sport waren Themen des Abends. Plötzlich stellte sich heraus, dass die Gruppe gerne Tischtennis spielt. Blöderweise erzählte ich, dass mein Vater früher an verschiedenen Tischtennis-Meisterschaften teilnahm. Danach gab es keinen Rückweg. Mir wurde angeboten, zusammen Tischtennis spielen zu gehen. Und wieder die gleiche Frage: Soll ich absagen? Nein, wollte ich freiwillig nicht. Der Abend war angenehm und ich brauchte doch ein bisschen Abwechslung, auch wenn ich mich beim Spiel blamieren sollte. Den ganzen Tag über saß ich in der Redaktion und wurde in die Geheimnisse der Interview-Auswertung eingeschult. Meine Zellen brauchten also mehr frische Luft. Die intellektuelle Anstrengung erschwächte den Körper und ich erhoffte mir durch die Bewegung einen neuen Energienachschub.
So war es dann auch. Keine Ahnung, wie lange wir spielten. Mehrere Runden. Die Mannschaft von dem Nachbartisch ging schon, es wurde dunkler. Und wir spielten weiter. Was ich bemerken musste, ich war nach dem Einüben gar nicht so schlecht, wie ich davor dachte. Sicher war ich auch nicht der beste, sie alle waren besser als ich, ich habe aber die Tischtennisbälle treffen können und manchmal die anderen besiegen. ;-)
Schließlich entschieden wir uns für ein Bier. Michael verriet, dass Robert sich nur mit so einem zusammen zu wohnen vorstellen könnte, mit dem er ein Bier getrunken hat. „Und das ist gerade passiert“, fügte Robert hinzu, nachdem wir unsere Gläser leer gemacht haben. Danach folgte eine Runde von Witzen. Ich konnte mich nicht an einen besonderen über die Brüder Kaczynski erinnern. Das beschäftigte mich später noch die halbe Nacht, aber ich kam darauf. Leider spielen in dem Witz Wortspiele eine wichtige Rolle. Und diese lassen sich nicht in Deutsche übersetzen, leider.
Mit Lächeln im Gesicht gingen wir auseinander. Morgen soll ich eine Zu- oder Absage bekommen. Ob wir zusammen passen? Das wird sich ergeben...
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